chantier : images debord

Still aus dem Film La Société du Spectacle, Guy Debord, 1973


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Heroismus im spektakulären Zeitalter. Die Autofiktion Guy Debords

Veröffentlichung in: Robert Suter & Thorsten Bothe (hrsg.), Prekäre Bilder, Fink Verlag München, 2010


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Man könnte sagen, die Eisscholle sei ein Selbstportrait Debords. Man hätte dann aber Debords „barocke Haltung“ übersehen, die darin besteht, „zugleich dem Umzug zu folgen und ihn im Vorbeigehen zu schauen.“ 64 Denn für unsere Sequenz wie für das Labyrinthe éducatif gilt eine doppelte Einschreibung: im Dispositiv und an dessen Rand. Das Selbstporträt wäre also hier genauer und paradoxer die sprechende Eisscholle, deren Stimme wie von jenseits der Vereinigung der Taktik mit der Strategie kommt

Heroismus im spektakulären Zeitalter, extrait


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Essai pour une transposition baroque-influentielle du „village défendu“, in Guy Debord, Le Marquis de Sade a des yeux de fille, Paris 2004, S. 146


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Der finstere Verschwörer, der in den geheimen Sitzungen eine spartanische Tugendstrenge an den Tag legt, thaut plötzlich auf und verwandelt sich in einen überall bekannten Stammgast, der den Wein und das weibliche Geschlecht sehr wohl zu schätzen weiß. […] Sie sind die Offiziere der Insurrektion. […] Ihr Geschäft besteht darin, dem revolutionären Entwicklungsprozess vorzugreifen,  ihn künstlich zur Krise zu treiben,  eine Revolution aus dem Stegreif, ohne die Bedingungen einer Revolution zu machen. Die einzige Bedingung der Revolution ist für sie die hinreichende Organisation ihrer Verschwörung.

Walter Benjamin, „V [Konspirationen, compagnonnage]“,  Gesammelte Schriften, 7 Bde., hg. v. Rolf Tiedemann u. Hermann Schweppenhäuser, Frankfurt am Main 1982, Bd. V, S. 745-763, hier: 747-748.


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Dieses Land [des Verstands] aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizenderName), umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflicht, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann.

Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, hg. v. Jens Timmermann, Hamburg 1998, S. 336 (A 236).